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Alexander LoosZuviel Leben für ein Leben

"Erbse"-Wirt Herman Alexander Loos ist tot. Mit ihm starb am Sonntag, den 19.02.2012, eine Dillenburger Institution.

Bei Alex Loos brannten nicht nur die Zigarillos. Er brannte auch für eine Stadt und ihre Menschen, denen er neben Prosecco seine Vorstellung von Frohsinn und Feinsinn kredenzte - und das 28 Jahre lang. Der gebürtige Siegener, der sowohl eine Landesgrenze als auch eine Bier-, Dialekt- und Kulturgrenze überwand, um schließlich zum Dillenburger aus Leidenschaft zu mutieren, ist tot, gestorben an einer Überdosis Leben.

Für mich als Gast der ersten Stunde war "Alex", wie ihn jeder Besucher der "Erbse" spätestens bei seinem zweiten Besuch anredete, ein Mensch, der seine Mitmenschen durch Witz, Schlagfertigkeit und Charme für sich einzunehmen wusste. Ein gewisses Maß an Verrücktheit und eine gegen den Strich gebürstete Weltsicht, machte die Person und die Persönlichkeit von Alex Loos aus, der gekrönte und ungekrönte Häupter gleichermaßen gut bewirtete. Manchmal mit dem grantigen Genuschel und der borstigen Liebenswürdigkeit eines Hans Moser, stand der "Erbsen-Wirt" hinter und vor dem Tresen seinen Mann.

Auch außerhalb der "Erbse" engagierte sich Alex mit Herzblut für Dillenburg, leistete seinen Beitrag für das alljährliche Gelingen des Jazz-Weekends und sorgte dafür, dass viele andere von ihm initiierte Veranstaltungen der Stadt Zuspruch und Zustrom bescherten. Das Los des Jazz-Weekends, nach einem langen Siechtum abzutreten, ist Alex Loos erspart geblieben. Bei ihm blieb vieles im Fluss, nicht immer gut für sein Wohlergehen. Ein honoriger, ein liebenswerter Mensch, ist er bis zum Schluss geblieben. Ein Original im traditionellen Sinne ist Alex nie gewesen, dafür war er viel zu originell und zu intelligent, um als Objekt für eine wie auch immer geartete kleinstädtische Folklore herzuhalten. Alex war einfach immer nur er selbst, ein Gesellschaftsmensch, der seine Rundgänge durch die Stadt auf eine ganz eigene, unverwechselbare Weise inszenierte. Als Mensch, der sich nie hinter dem vermeintlich nicht Machbaren und der Kleingeistigkeit, die sich in Dillenburg breit gemacht hat, versteckte, zeigte er zuletzt Anzeichen von Resignation. Alex, der der Kleinkunst und der Musik in der "Erbse" ein neues Forum eröffnete, das sich wachsenden Publikumszuspruchs erfreute, war selbst ein Künstler, der dem Leben viel, oft zu viel abverlangte.

Als Entertainer mit Harald-Juhnke-Qualitäten wird Alex allen, die ihn kannten, in Erinnerung bleiben. Mit 59 Jahren hat er die irdische Bühne verlassen, die für ihn nicht immer in gleißendes Licht getaucht war. Leb wohl, Alex!